Judas, der „unheilvolle Heilsbringer“, so bezeichnen wir ihn. Allerdings noch nicht allzu lange. Erst wenn wir die Blickrichtung ändern. Erst wenn wir auf Jesus schauen, dann erkennen wir das. Jesus weiß um Judas. Er wirft ihn nicht aus der Tischgemeinschaft.
Judas geht von sich aus – später.
Dennoch spricht Jesus vom Ende des Judas. Es sei besser, nie geboren worden zu sein.
Er, der vom guten Hirten erzählt hat, der das verlorene Schaf sucht und rettet,
weiß um die Barmherzigkeit des Vaters und den „unheilvollen Heilsbringer“.
In Vézelay, Burgund, steht die Kathedrale Sainte Marie-Madeleine (12. Jhdt.).
Ein Säulenkapitell zeigt „Judas und der gute Hirt“ in zwei Szenen.
Links ist Judas mit geweiteten Augen, heraushängender Zunge,
am Strick baumelnd zu sehen.
Er hat sich – ver-strickt in Schuld – erhängt.
Rechts ist der tote Judas über die Schulter eines Mannes gelegt.
Das erinnert uns an den „guten Hirten“, der das verlorene Schaf sucht,
rettet und wieder zurück zur Herde, nach Hause bringt.
Ein eindrucksvolles Bild – in Stein gemeißelt:
ER lässt uns nicht hängen.
ER löst uns aus unseren Ver-strickungen.
Mitten in das Schweigen
springt der Laut
einer unhörbaren Stimme:
Lebst du noch?
Und die Antwort:
Ich liebe DICH
trotzdem (nach Willi Bruners)
(von Franziska Klein)