Frauenbotschaft von Velencija Brettlecker

Wann bin ich?

„Wann bin ich groß?“ fragt das kleine Mädchen mit dem Wunsch alles machen zu dürfen, was es will. Sie träumt von der Freiheit ihre eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen.
„Wann bin ich erwachsen?“, lautet die Frage des jungen Mädchens, dass es kaum erwarten kann, die Enge des Elternhauses und die Last der Schulpflicht hinter sich zu lassen, damit es seine Unabhängigkeit leben darf. „Wann bin ich gut genug?“, fragt still und leise die junge Frau, die versucht den Anforderungen und Vorgaben ihres Berufslebens gerecht zu werden, die Tag für Tag an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geht, um zu genügen, weil sie weiß, dass sie austauschbar ist. „Wann bin ich fertig?“, hier findet die junge Mutter keine Antwort. Kaum hat sie eine Aufgabe erledigt, wartet die nächste auf sie und die Familie auch. Zwischen Wäschebergen und dem Schreibtisch ist der Weg mit Legosteinen und schlechtem Gewissen gepflastert, weil sie das Gefühl hat für nichts und niemanden die notwendige Zeit zu haben, geschweige denn für sich selbst.
Wir sind in Erwartung einer Zeit, die scheinbar nie kommen mag, der Zeit, in der wir sein dürfen, wie wir sind. Wann ist dieser Zeitpunkt?
Dieser Zeitpunkt, wo wir alle Masken fallen lassen können, und uns eingestehen, dass das kein Zeitpunkt ist, sondern eine Erkenntnis.
Wenn wir keine Masken mehr tragen, können wir wahrhaftig erkannt werden, dann ist nichts mehr zwischen uns und dem anderen, dann sind die Hüllen weggenommen und unser Sein offenbar. Nichts ist uns mehr im Weg, wir finden zu uns selbst und entdecken dabei den anderen. Wir geben Antwort auf die Frage, die nicht gestellt werden muss. Wir geben uns hin und lassen uns fallen in Gottes liebende Hand. Denn Er will, dass du bist.