Mit Waffen oder ohne Waffen?
Früher war ich ein überzeugter Vertreter der Gewaltlosigkeit und des Pazifismus. Auch aufgrund meiner christlichen Einstellung war ich davon überzeugt, dass wir mit Gewalt oder Waffen keine Probleme lösen können und dass durch die Kriege in der Geschichte der Menschheit keine Probleme wirklich gelöst wurden. Durch die Kriege wurde vielleicht ein Waffenstillstand erreicht, Probleme wurden mit Abmachungen und Verträgen geregelt und Geschäfte abgeschlossen, aber zu einer friedlichen Lösung der Probleme, zu einer echten Auseinandersetzung mit den Konflikten, ist es nie wirklich gekommen. Die Probleme haben irgendwo im kollektiven Hass überlebt, bis sie irgendwann wieder aufgetaucht sind – im Laufe der Zeit verändert, als wären die Probleme mutiert. Waffen bringen keine Lösung.
Als im Februar 2022 Putins Armee die Ukraine angegriffen hat und die Ukraine sich, vor allem am Anfang, sehr tapfer gewehrt hat, habe ich meine Meinung ein wenig geändert. Als ich die echte Angst vieler Menschen in der Slowakei zu Beginn dieses Krieges erlebt habe – weil die Menschen dort berechtigterweise gefürchtet haben und diese Befürchtung nach wie vor aktuell ist, dass Putin nicht nur die Ukraine besetzen möchte, sondern den gesamten ehemaligen Ostblock –, habe ich verstanden, dass sie sich wehren wollen. Da habe ich gedacht: Grundsätzlich pazifistisch, aber in manchen Fällen muss man sich verteidigen können. Ein Staat braucht eine Armee, damit er seine Menschen schützen kann.
Mittlerweile zweifle ich, vielleicht ein wenig naiv oder utopisch, ob der bewaffnete Weg zu einer Lösung führt. Ob nicht der stille Widerstand mehr gebracht hätte? Nur rein theoretisch und utopisch: Wenn sich die Ukraine nicht mit Waffen gewehrt hätte, sondern nur einen stillen Protest geleistet hätte, das heißt, wenn die Menschen überhaupt nicht reagiert hätten – alle –, hätte Putin vielleicht die Ukraine oder auch andere Länder eingenommen. Aber wenn die Menschen geschlossen, wirklich alle, im stillen Widerstand nicht gearbeitet hätten, was wäre dann passiert? Wie wäre diese Möglichkeit ausgegangen? Hätte Putin dann alle erschossen? Wenn alle, wer hätte dann wirklich für ihn gearbeitet? Seine Oligarchen wohl kaum! Ausländische Arbeitskräfte? Würden die für einen Massenmörder arbeiten? Es hätte sicher viele Menschen das Leben gekostet, aber das geschieht auch jetzt, solange die Waffen nicht schweigen.
Wäre es nicht an der Zeit, andere Konfliktlösungen zu versuchen, wenn schon die bewaffnete Lösung nichts bringt? Am besten wäre es, wenn wir versuchen würden, alle gewaltfrei zu leben, zu kommunizieren und zu denken, sodass es zu keinen Kriegskonflikten kommen müsste. Der Mensch kommt doch auf die Welt mit der Sehnsucht zu lieben und geliebt zu werden. Vom Töten ist da keine Rede. Ich weiß, es klingt sehr utopisch, unmöglich, aber den Weg der Gewaltlosigkeit kann jeder versuchen zu gehen. Es werden sich nicht alle auf diesen Weg machen, aber jeder einzelne Mensch, der sich für den Frieden entscheidet, ist ein wichtiger Beitrag für die ganze Menschheit.
Ein schönes, gewaltfreies Jahr 2026 wünscht
Pfarrer