Frauenbotschaft von Velencija Brettlecker

Spuren lesen lernen

Oft muss man nicht viel reden, um etwas zu sagen, eine kleine Geste, ein flüchtiger Blick reichen aus, um mehr zum Ausdruck zu bringen als viele Worte. Wer lernt aufmerksam hinzusehen, kann solche Zeichen erkennen und deuten, wird zur Spurenleserin. Kleine Kinder lernen schnell, dass sie ihre Umwelt besser verstehen, wenn sie die Spuren ihrer Mitmenschen lesen können. Sie merken, Spuren lesen stärkt Beziehungen und Gemeinschaft. Das gipfelt darin, dass sie ihren Eltern und Bezugspersonen blind vertrauen.
Dieses blinde Vertrauen zeugt von einer aus drucksstarken Nähe, wo es keine Erklärungen oder Beschreibungen braucht, wo es nicht einmal mehr Worte braucht, wo ein kleiner Blick oder eine Geste ausreichen, damit die andere weiß, wie es einem gerade geht oder was gerade fehlt, um ein Bedürfnis zu erfüllen.
Dieses Spurenlesen und die Fürsorge, die da raus entsteht, macht eine Freundschaft oder Beziehung zu etwas ganz Besonderem.
Ganz besonders sind Menschen, die mit dieser achtsamen, wertschätzenden Haltung durch das Leben gehen, sie haben das „richtige G`spür“ für ihre Mitmenschen, auch für jene, die nicht Freunde und Familie sind. Sie übersehen nicht den müden Blick der Kollegin und bieten ihre Hilfe an. Sie deuten den Redeschwall der alten Dame von Gegenüber nicht als Aufdringlichkeit, sondern spüren die Einsamkeit zwischen den Zeilen und schenken ihr ein Lächeln und ein Ohr.
Solche Menschen lesen nicht nur Spuren, sondern sie hinterlassen welche. Sie leben, ob bewusst oder nicht, das Evangelium. Ihre Hilfsbereitschaft ist nicht ausgerichtet auf Anerkennung, sondern ist begründet in der Herzenshaltung der Nächstenliebe. In ihnen hat einer eine tiefe Spur im Herzen hinterlassen. Jesus.