Fastenzeit – ein neues Modell von mir
So wie jedes Jahr haben wir den Fasching begraben und beendet und die Fastenzeit begonnen. Es ist für mich interessant, obwohl unsere derzeitige Kultur von einer tiefen religiösen Frömmigkeit weit entfernt ist, dass die Fastenzeit unter den Menschen populär geworden ist. Die innere theologische Begründung ist zwar nicht dabei, dafür sind aber verschiedene Diäten gerade in dieser Zeit sehr attraktiv geworden. Oder sehr viele Menschen verzichten auf Alkohol, Süßigkeiten oder betreiben mehr Sport – nicht irgendwann im September oder im Juni, sondern jetzt in der Fastenzeit. Es ist sicher positiv und tut gut, ist für unsere Lebensweise sogar notwendig.
Das alles ist gut und schön, aber unser Glaube lädt uns ein, noch tiefer zu gehen. Wenn wir an einen Gott glauben, der selber Liebe ist, dann möchten wir in der Fastenzeit alles dafür machen, dass diese Liebe zu uns in Entfaltung kommt, dass alles, was diese Liebe mindert, beseitigt wird. Denn, wie Karl Rahner schreibt, die größte Sünde ist es, nicht an die Liebe Gottes zu glauben, ihr nicht grenzenlos zu vertrauen, sich von Gott nicht lieben zu lassen.
Es ist wie mit den Autos oder den anderen Produkten: Wir müssen auf den Markt des Lebens ein neues Modell von uns selber bringen. Wir bleiben wir selbst, aber wir werden an die neuen Bedingungen unserer Zeit angepasst. Wir müssen im Leben so den Anforderungen und Herausforderungen unserer Zeit entsprechen, dass wir, so wie wir sind, mehr Licht in die Dunkelheit unserer Zeit bringen. Oldtimer sind gut nur für Sonntagsausflüge, verbrauchen viel und sind nicht richtig belastbar. Wir mit Gott als dem Sprit unseres Lebens können auch in großen Krisen aus dem Glauben an die Liebe Gottes leben, denn – und das sagt uns die Fastenzeit – die Liebe Gottes ist stärker als alle Herausforderungen unseres Lebens.
In diesem Sinne wünsche ich einen schönen März in der Fastenzeit.
Pfarrer