„Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“ (Joh 5,1-16)

 

 

Dieses Zitat Jesu bedeutet für den Angesprochenen und im weiteren Sinne auch für uns selbst Eigenverantwortung zu übernehmen, aus der Opferrolle herauszutreten statt darauf zu warten, dass andere als Helfer einspringen. Der Satz fordert also auf, den ersten Schritt selbst zu wagen. Das möchte auch Jesus mit der Frage „Willst du gesund werden?“ erreichen. Der Akt des Aufstehens erfordert Mut und Vertrauen in Jesu Wort und Gottes Hilfe, wenn man selbst aktiv werden will. Die Bahre symbolisiert die eigenen Altlasten, die einem hindern selbst tätig zu werden, sowie alles, was uns festhält und blockiert, wie Ängste, Depressionen, Abhängigkeiten und Ausreden. Als Teil unserer Lebensgeschichte tragen wir diese Bahre weiterhin mit uns, als Erinnerung und Mahnung. Dann ist die Bahre ein Zeichen des Sieges, nicht mehr des Ausruhens und der Resignation.

Die Fastenzeit ist die Zeit, sich unserer selbstauferlegten Lähmungen bewusst zu werden. Die schweren Krankheiten unserer Zeit sind die große Ungerechtigkeit in der Welt (Krieg, Hunger, Unterdrückung), das unbändige Streben nach Macht und noch mehr Besitz, Ausbeutung, Manipulation und Missbrauch. Wann also überwinden wir unsere Lähmung, stehen auf und kommen in Bewegung gegen diese himmelschreienden Missverhältnisse gemäß unseren christlichen Grundsätzen in konstruktiver Kritik und friedlichem Protest? Positive Beispiele dafür sind Lichtermeer bzw. Lichterkette, Nacht der tausend Lichter, Themengottesdienste, ökumenische Themenabende und noch vieles mehr, was in unseren Pfarren angeboten wird.

(von Wolfgang Franck)