Bildung, Liebe, Gott
Diese drei Wörter sind mir eingefallen, als ich ein wenig nachgedacht habe, darüber, was zu tun ist, um zu vermeiden, dass Lügner, verurteilte Sexualstraftäter, rücksichtslose machthungrige Menschen an die Macht kommen. In Amerika, Tschechien, Ungarn und der Slowakei haben wir an der Macht Menschen, die von den Menschen gewählt wurden. In Russland bin ich nicht ganz überzeugt, ob die Wahl frei und demokratisch war. Was müssen wir tun, damit wir demokratisch unsere Welt nicht zerstören, damit die Demokratie nicht demokratisch abgeschafft wird?
Das Allererste, denke ich, müsste die Bildung sein. Eine Bildung, in der wir lernen, Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden, damit es nicht passiert, dass 100-mal wiederholte Lügen immer zu mehr Wahrheit werden, damit wir uns nicht von den vereinfachten Lösungen des Populismus locken lassen, Bildung, in der wir lernen, zu erspüren, was möglich ist und demütig erkennen, was nicht möglich ist.
Als zweites Wort ist mir das Wort Liebe eingefallen. Menschen, die von Kindheit an viel Liebe erfahren, reagieren sehr sensibel auf Gewalt. Wir müssen so von der Liebe überzeugt sein, dass Gewalt nie als Lösung in Betracht gezogen werden dürfte. Die Sehnsucht nach Frieden, nach Gewaltfreiheit sollte uns anspornen. Der Krieg wird heute irgendwie apathisch wahrgenommen. Er hat das Gewicht eines Regens: Wir sagen Sätze wie: „Heute regnet es, nimm den Schirm mit“, oder „heute fährt die U3 nicht“ mit dem gleichen Gewicht wie: „In der Ukraine und im Iran ist noch immer Krieg“. Die Tatsache der brutalen Kriege der Gegenwart verliert sich in der Banalität des Lebens.
Das dritte Wort ist: Glaube. Wir als Christinnen und Christen müssen vom Glauben erfüllt sein, dass der Frieden, dass eine gerechte Gesellschaft möglich sind. Die Tage, die wir jetzt feiern, sprechen von diesem unbesiegbaren Glauben. Jesus ist für eine solche Idee gestorben, er hat sie nicht wegnehmen lassen und er lebt in seinen Ideen weiter, denn Gott lässt sich weder bombardieren noch einsperren. Nicht einmal ins Grab.
Pfarrer