Es war immer so

 

 

Diesen Satz hören wir meistens, wenn die Menschen an gewissen Formen pochten, bei ihnen auf alle Fälle bleiben möchten und nichts weiterentwickeln oder verändern wollen. Das kann im kirchlichen Leben, in der Pfarre oder auch in der Beziehung, in der Arbeit oder allgemein im Leben sein. Es war immer so, stimmt aber nicht, weil nichts immer so war. Festhalten an Formen, die vor 10, 30 oder 80 Jahren da waren und behaupten, dass es immer so war, stimmt einfach nicht. Auch die jetzt festgefahrenen Formen sind irgendwann entstanden.

 

Teilweise kann ich diesen Satz und die dahinter lebende Einstellung gut verstehen. Etwas, was uns vertraut und lieb geworden ist, vielleicht eine Zeit lang gut funktioniert hat oder noch immer funktioniert, möchten wir nicht aufgeben. Aber wir leben und entwickeln uns weiter, nichts bleibt stehen. Gott sei Dank. Denn auch die Trauer oder die Schwierigkeiten bleiben nicht so schlimm, wie sie am Anfang waren. Auch die entwickeln sich weiter und, wie wir oft sagen: Die Zeit heilt die Wunden. Wenn wir unsere Beziehungen nicht weiterentwickeln, bleiben wir auf dem Beziehungsweg stehen, die Beziehung überholt uns und stirbt.

 

Wir müssen nicht alles aufgeben. Das, was uns lieb und vertraut geworden ist, können wir mitnehmen und dort unter den heutigen Bedingungen Platz finden. Wenn wir in der Pfarre sagen, damals waren die Kirchen voll, die Menschen haben sich angesprochen gefühlt, sind gerne gekommen, dann suchen wir auch heute Formen, die die Menschen ansprechen, begeistern, durch die wir ihnen etwas geben können. Ich erlebe uns als eine lebendige Pfarre, wo vieles lebt und geschieht, was den Menschen etwas für ihr Leben in der heutigen Zeit gibt. Es ist schön, dass es so ist.    

Gabriel

Pfarrer